Meinung: Warum die Wahl mehr als man denkt über die Zukunft entscheidet

Jugendliche sind ab dem Alter von 16 Jahren in Österreich seit 2007 auf allen politischen Ebenen aktiv wahlberechtigt. Nur für das sogenannte passive Wahlrecht, also um selbst für Wahlen zu kandidieren, muss man auch hierzulande bis zur Volljährigkeit (18) warten. Wählen ab 16 ist Europarekord an Möglichkeiten für Jugendliche, sich politisch wirksam zu äußern, also an der staatlichen Willensbildung teilzunehmen.

Meiner Meinung nach ist die grundsätzliche Bedeutung von regionalen und nationalen Wahlen schon ausreichend betont worden, auch in Hinblick auf die Jugend. Die Argumente gelten aber ebenso für die Wahl der Mitglieder des Europäisches Parlaments, also die Europawahl. Ein Aspekt ist jedoch anzufügen: Etwa 80 % der für unseren Alltag bedeutsamen Regeln entstehen in ihrer grundsätzlichen oder auch ihrer finalen Form in oder durch die Europäische Union.

Jugend übt Parlamentarismus

Die EU-Ebene ist somit besonders maßgeblich für die rechtlichen Grundlagen unseres Lebens, wie etwa Bildung und Ausbildung. Umso bedauerlicher finde ich es, dass die Wahlbeteiligung bei Europawahlen seit 1979 stetig im Sinkflug begriffen ist und 2014 in Österreich lediglich 45 % betragen hat. Schade ist insbesondere, dass sich die Jugend hierzulande nur durchschnittlich stark an der Wahl beteiligt, wo dies doch bereits ab 16 möglich ist!

„Englands Jugend hat so ihre Perspektiven für Europa wahrscheinlich verspielt.“

Obwohl unter Jugendlichen nämlich grundsätzlich eine hohe Zustimmung und ein hohes europäisches Bewusstsein vorherrschen, schreitet die Jugend zu einem erstaunlich geringen Anteil von 29 % zu den Urnen. Englands Jugend hat so ihre Perspektiven für Europa wahrscheinlich verspielt: Von den 18- bis 24-Jährigen nahmen nur 36 % am britischen Votum teil, was aber zumindest über der österreichischen Jugend-Beteiligung bei EU-Wahlen liegt. Von den über 65 Jahre alten Personen waren es hingegen 83 %, was die deutsche Zeitung „Die Welt“ 2016 zur Schlagzeile „Der Brexit ist auch der Passivität der jungen Generation geschuldet“ verleitete.

Der für mich überzeugendste Grund, wählen zu gehen, liegt darin, dass Politik immer Arbeit für die Zukunft ist. Die Jugend ist es, die noch längere Zeit mit jenen Entscheidungen leben muss, die heute getroffen werden. Wir Jungen sollten uns besonders darum kümmern, was in der Politik vor sich geht und entschieden wird. Mit rund 200.000 Stimmen der 16- bis 18-Jährigen bilden wir Jugendliche keine Mehrheit in der Bevölkerung unseres Landes. Dies ändert sich auch nicht im europäischen oder gar globalen Kontext. Aber wir müssen unser Stimmrecht nutzen, wenn wir schon die Möglichkeit haben.

Über den Autor:

Julius Lajtha: Maturant, Wien, Organisator von MEPxAustria; European Youth Parliament (EYP); julius.lajtha@eyp.at

Jede Stimme zählt

Österreichs und Europas Jugend übt sich in Politik. Im Juni 2018 haben wir mit der Initiative MEPxAustria über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwischen 17 und 20 Jahren aus allen EU-Ländern nach Wien eingeladen, um eine Jugendversion des Europäischen Parlaments erfolgreich zu simulieren. Das Europäische Jugendparlament setzt seit Jahren schon am Schulniveau an, im September 2018 organisierte die Bundesjugendvertretung in Wien die EU-Jugendkonferenz mit hunderten Teilnehmerninnen und Teilnehmer und im Oktober tagten Jugendliche zu Gleichstellungsthemen im Rahmen des Ratsvorsitzes.

Wir haben also sehr wohl etwas zu sagen.
Wir haben Vorstellungen von Europa und von den Themen unserer Zeit. Also sollten wir unser Wahlrecht bei der Europa-Wahl am 26. Mai 2019 in Österreich nutzen.
Die EU-Kampagne zur Europawahl ist unter folgenden Links zu finden: www.thistimeimvoting.eu und www.diesmalwaehleich.eu